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Wenn ein Umzug zur Obdachlosigkeit kippt

  • 11. März
  • 2 Min. Lesezeit

Ein Einzelfall für die Gesellschaft – Eine Erfahrung die unter Careleaver:innen nicht ungewöhnlich ist. 

Dieser Fall aus der Zentralschweiz zeigt, wie schnell Übergänge kippen können – und wie stark Stabilität vom Wohnkanton abhängt. Warum Begleitung nicht vom Zufall abhängen darf und welche strukturellen Lücken sichtbar werden.  


Einzelfallhilfe und strukturelle Realität im Übergang 

Im November 2025 erhielten wir im Netzwerk Region Zentralschweiz ein Einzelfallhilfegesuch zur finanziellen Unterstützung eines Careleavers, der umziehen wollte. 


Was zunächst nach einer überschaubaren Unterstützung aussah, entwickelte sich zu einer akuten Krisensituation. 


Der Careleaver war instabil, hatte kein tragendes soziales Netzwerk und benötigte praktische Hilfe: Die bisherige Wohnung musste für die Abgabe gereinigt werden, der Umzug organisiert, der neue Start vorbereitet. Wir unterstützten bei der Koordination, beim Organisieren von Hilfe und bei administrativen Fragen. 


Während des Prozesses stellten wir fest, dass etwas Entscheidendes fehlte: Der neue Mietvertrag war noch nicht unterzeichnet – und konnte letztlich auch nicht unterzeichnet werden. 


Damit verwandelte sich ein geplanter Umzug innerhalb kürzester Zeit in eine akute Wohnungslosigkeit. 


Kantonale Unterschiede mit existenziellen Folgen 

In solchen Momenten zeigt sich, wie fragil Übergänge sein können. Ein fehlendes Dokument genügt – und die Existenzgrundlage bricht weg. 


Entscheidend war in diesem Fall, dass der Careleaver beim Auszug in die Selbstständigkeit seinen Wohnsitz im Kanton Luzern hatte. Dadurch konnten wir ihn im Rahmen des SEG-Gesetzes zur Begleitung von Careleaver:innen triagieren. 


Bis die Triage organisiert und die fachliche Begleitung bewilligt war, vergingen einige Tage. In dieser Zeit versuchten wir gemeinsam, die Situation zu stabilisieren und eine vorübergehende Lösung zu finden. Nicht alles gelang sofort – doch wir blieben dran. 


Schliesslich konnten wir eine provisorische Wohnlösung sichern, einen Wohnsitz anmelden und damit auch die wirtschaftliche Sozialhilfe auslösen. 


Heute lebt der Careleaver in dieser Übergangslösung, arbeitet und erhält fachliche Begleitung. Herausforderungen, die zuvor überwältigend waren, können nun Schritt für Schritt angegangen werden. 


Was diese Fälle deutlich machen 

Dieser Fall zeigt, wie schnell ein Übergang kippen kann, wenn zentrale Sicherheiten an Bedingungen geknüpft sind.  Nur zwei Kantone verfügen über eine gesetzlich so verankerte Nachbegleitung, dass Careleaver:innen ohne neue Hürden auf Unterstützung zurückgreifen können. In den meisten Kantonen bestehen keine verbindlichen oder nahtlos zugänglichen Begleitmodelle. 


Stabilität darf jedoch nicht vom Wohnkanton abhängen. Ein Übergang ins Erwachsenenleben darf nicht zur existenziellen Krise werden, nur weil gesetzliche Grundlagen unterschiedlich ausgestaltet sind oder nicht rechtzeitig greifen. 


Wie wir als regionales Netzwerk unterstützen 

Wir sind keine Fachstelle – aber wir sind da. 

Wir klären, begleiten, triagieren und bleiben dran, wenn Situationen kippen. Und wir machen sichtbar, wo strukturelle Lücken entstehen. Denn Stabilität entsteht nicht zufällig. Sie entsteht, wenn Verantwortung übernommen wird. 


  • Bist du selbst in einer ähnlichen Situation? Melde dich bei uns – du musst solche Fragen nicht allein klären. 


  • Begleitest du als Fachperson Careleaver:innen? Gerne kannst du bei Fragen auf uns zukommen.  


Übergänge ins Erwachsenenleben dürfen kein Glücksspiel sein – es braucht verbindliche, nahtlose Begleitstrukturen, damit Stabilität nicht vom Wohnkanton abhängt und kein Careleaver durch administrative Brüche in existenzielle Not gerät.


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